Banalitäten

Was macht eigentlich das Selbstverständnis von Mitmenschen aus ? Das klingt nach einer seltsam theoretischen Frage und hat auch nur bedingt was mit meiner Arbeit zu tun. Aber ich schreibe immer weniger hier über meine Arbeit, weil es mir ja weniger um die Arbeit als solche als um das Drumherum geht. Und es ist schwierig, ein verständliches Bild mit nicht zu viel Geschreibsel zu zeichnen.

Ich weiß gar nicht mal, welches konkrete Ereignis hier die Überlegung nach dem Selbstverständnis angestoßen hat. Eigentlich geht es um die Erkenntnis, das Kommunikation oft ein schwieriges Unterfangen ist. Oft glaube ich verstanden zu haben, was Kollegen oder Chefs meinen. Nur um dann später beim „Umsetzen“ von Wünschen vor konkreten Problemen zu stehen. Das an sich ist jetzt ja kein Kommunikationsproblem, aber da geht ‚mein‘ Kommunikationsproblem dann los. Was ist besser, wenn man vor einem Hindernis steht – einen Weg drumherum suchen oder melden, dass man vor einem Hindernis steht ?

Das mit dem Weg drumherum heißt meistens lange, lange Recherche ohne Aussicht auf Erfolg. Wie funktionieren komplex zusammenspielende Programme ? Meistens ist der Quellcode so groß, dass eine detaillierte Analyse nicht um Ziel führt. Stellt euch einfach als Vergleich vor, ihr steht grade in der Küche und wollt Fisch braten. Wie lange und mit der Hautseite nach oben oder unten ? Ihr habt zwei Optionen: entweder ihr sagt eurem Chef oder Kollegen, dass ihr nicht wisst, wie das mit dem Fischbraten geht. Oder ihr lauft mal eben schnell in die Bibliothek und sucht unter den tausenden Büchern die Kochbücher, welche in einem der enthaltenen Rezepte eventuell die Antwort auf eure Frage beinhalten. Ich suche lieber nach dem richtigen Kochbuch weil das Weitergeben der Fragestellung über den Chef an andere auch selten zu einer schnellen Lösung führt. Meistens wird man ja von den Mitarbeitern des Dienstleisters irgendwie „abgewimmelt“ – was nicht böse gemeint ist, aber Rückfragen oder „bitte stellen Sie genau das Fehlerbeispiel im ( dazu nicht wirklich geeigneten ) Testsystem nach“ sind sehr sehr unbefriedigend. Wer mit IT-Hotlines oder Ticketsystemen arbeitet weiß vielleicht, wovon ich rede.

Aber das ist ja schon wieder der Fokus auf der Arbeit. Es ist einfach erstaunlich, dass andere Menschen so komplett anders denken. Und dies als selbstverständlich ansehen. Weil sie andere Erfahrungen und Bezugspunkte haben. Ein etwas hölzernes Beispiel dazu finde ich hier in den Blogs – da wird in politisch ambitionierten Blogs oft auf die aktuell tätigen Politiker geschimpft. Oder noch besser auf die Flüchtlinge. Und unsere Presse kaschiert angeblich die ganzen Vorfälle mit Ausländern, da es nicht gewollt ist, dass die Stimmung sich zu sehr gegen Flüchtlinge richtet. Was haben solche Menschen, die so gezielt Emotionen gegen Flüchtlinge schüren nur für einen Erfahrungshorizont ? Sowohl in der deutschen als auch in der Flüchtlingsbevölkerung gibt es schwarze Schafe. Aber es wird so dargestellt, als wäre eine Kultur der Nächstenhilfe dumm und die angebotene Hilfe eine Einladung zur Ausnutzung von Sozialsystemen. Ja, es gibt allein mathematisch gesehen nach der gausschen Normalverteilung in jeder Menschenmenge immer negative Subjekte. Aber unterstelle ich erst mal allen Fremden, dass sie potenzielle Betrüger sind oder umgekehrt dass sie hilflose Opfer sind ? Ich vermute, die eigene Meinung wird dazu von den Erfahrungen geprägt. Natürlich, wovon auch sonst ?

Das mag ja alles normal sein und keine besondere Erkenntnis, aber ich empfinde die Intoleranz von anderen Menschen erschreckend. Ist die einmal gebildete Meinung nicht mehr revidierbar ? Im persönlichen oder im beruflichen Umfeld, ist eine einmal gefasste Meinung nicht änderbar ? Im beruflichen Umfeld gibt es ja jeden Tag den Kampf ums kleine und große Rechthaben. Wer kann Vorhersagen, wie sich Programme in bestimmten Situationen verhalten ? Klar, man könnte es einfach ausprobieren und die Programme zu Testzwecken laufen lassen, was aber oft an verfügbarer Zeit oder zum Test passenden Datenkonstellationen scheitert. Die richtig guten Kollegen wissen, wie die Programme reagieren werden. Und müssen es nicht erst ausprobieren. Oder nachlesen ( wobei es meistens nichts zum nachlesen gibt ). Gute Leute kann man fragen, die wissen einfach direkt, wie man Programm xy bedienen muss oder warum Programm ab plötzlich das tut, was es tut.

Aber erschreckend ist trotzdem, wie lange es manchmal dauert, bis „Wissen“ sich über Kommunikation von Person A nach Person B transferieren lässt. Dazu werden z.B. lange Mails geschrieben aber nur überflogen. Und mein eigenes Unglauben z geschilderten Phänomenen zeigt mir selbst, dass guter Wille allein nicht ausreicht, um andere, deren Sichtweise oder Probleme zu verstehen. Meistens lasse ich mir übrigens bei Fehlern zeigen, wie der andere zu der Fehlerstelle eigentlich kommt. Weil es entweder kein Fehler sondern ein logisches Verhalten eines Programms ist. Oder ich den Fehler eben einfach nicht verstehe. Weil ich den Kontext nicht nachvollziehen kann ( was wurde gemacht, um den Fehler zu erzeugen ).

Oder werde ich einfach älter und bin im Kopf nicht mehr so flexibel „wie früher“ ?

Advertisements

5 Kommentare zu „Banalitäten

  1. Klingt so, als wärst du ziemlich frustriert und demotiviert? Scheint auch so, dass du traurig darüber bist, weil man sich auf der Arbeit alleine durchkämpfen muss und erst einmal seitenweise Texte lesen darf um Probleme zu lösen.
    „Oder werde ich einfach älter und bin im Kopf nicht mehr so flexibel wie früher?“ – Vielleicht auch einfach überarbeitet und gestresst, weil dich die Dinge belasten und irgendwo auch an deinem Selbstvertrauen und deinem Selbstbewusstsein nagen.
    Du machst mit Sicherheit einen guten Job. Ist ja schließlich auch noch kein Meister vom Himmel gefallen und Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut 😉
    Im Zweifelsfall offen und ehrlich zu deinem Chef und deinen Kollegen sein! Bei 50% der Personen tritt die gleiche Misere auf und jeder kämpft mit den selben Problemen – nur keiner macht die Schnauze auf und spricht darüber. Gönn dir etwas Verständnis für dich selbst und geh mit ruhigem Kopf an die Sache heran, dann gehen die 8,5 Stunden Arbeit auch schöner herum 😉
    Hoffe es regelt sich alles zum Positiven für dich und das du mehr Kraft und Mut für die Zukunft tanken kannst.
    Und wenn gar nichts geht einfach in die Karibik absetzen! Da reicht das Wissen allemal aus bis zur Rente.
    Alles Gute.
    Pandalie (PandalieOnline)

    Gefällt mir

    1. Danke. Alles gut. Falls der Artikel nach Klagen oder Frustration klingt: nein, meine ich nicht wirklich damit. Ein bischen schon, aber es ist halt nervig, mit einem komplexen IT-System im Rücken dazu „simple“ Fragen zur Zufriedenheit zu beantworten, respektive ich als „Experte“ auf das dokumentierte ( oft aber auch nicht, aber das ist eben so ) Wissen der Programmierer angewiesen bin. Und oft ist es schwer einzuschätzen, ob Fragen zu einem System B, dass irgendwie Daten mit „meinem“ System A austauscht von mir beantwortet werden können/sollen oder nicht… kann man als Außenstehender wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen, aber die „Experten“ zu System B, C, D usw sind in der Regel auch nicht mit genug Zeit gesegnet und spielen dann eben schon mal die „das ist kein Problem in meinem System, dass wird doch von System A verursacht“-Karte. Aber genau das macht ja viel von der Arbeit aus – das Argumentieren in umgesichertes Wissen hinein. So ist das eben. Anders wär schöner, aber dazu müsste man wohl bei der NSA arbeiten.

      Gefällt 1 Person

    1. Ja, danke der Nachfrage, bis auf die Gesundheit alles gut. Bin grade wg Herzrhythmusstörungen in der Kardiologie. Hört sich aber schlimmer an als es ist. Entweder ist die Isolierung im Herz nicht immer voll funktionsfähig oder ich reagiere zu sensibel auf Koffein/Teein oder so. Morgen gibts ein Stress-MRT, dann weiß man hoffentlich mehr. Grundsätzlich kann ja vieles die Ursache sein – „Stress“ wäre mir zu pauschal, Biologie besteht ja doch zum Großteil aus Physik und nicht nur aus Metaphysik. Ich sollte auch mal wieder Beiträge schreiben, aber ich werde nicht von vielen Leuten gelesen und es ist kein finanzieller Benefit zu erwarten, das bremst meine Motivation recht stark. Aber danke nochmal der Nachfrage, man ließt sich 😊.

      Gefällt mir

      1. Ach du lieber Himmel – da wünsch ich dir alles, alles Gute. ⚘Nicht zu viel Stress – ob der nun Ursache ist oder nicht.
        Und ich freu mich, haben’s ja wieder was zu lesen von dir gibt!😊

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s