Das Leben ( in der IT ) ist komplex…

und voller Potenzial für Missverständnisse. Aber was ist eigentlich so schwierig am Umgang mit Nullen und Einsen ? Klingt doch eigentlich unglaublich einfach. Und logisch müssen die Programme und Funktionen auch noch sein. Geht’s denn noch simpler ?

Und trotzdem gibt es so gefühlt unendlich viele Situationen und Projekte, in denen aneinander vorbeigeredet wird, falsche und teure Entscheidungen getroffen werden und Dinge aus der Rückschau heraus ganz ungeheuer dumm falsch laufen.

Warum ist das denn so ? Warum sind so viele Menschen im Umgang mit Programmen so dumm ?

Naja, eigentlich will das kaum einer wissen. Komisch. Sportler werden nach dem Spiel oder dem Rennen ausführlich interviewt. Schon mal einer am Fernsehen ein Interview mit einem IT-Mitarbeiter nach einem gerade abgeschlossenen Projekt gesehen ? Ich nicht, aber vielleicht kucke ich ja auch nur die falschen Sender…

Sogar für Politik gibt’s eigene Sender. Für IT ? Fehlanzeige. Im weiteren Sinne könnte man einige Shopping-Sender mit Handys oder Laptops im Angebot als erweiterte IT-Bildung ansehen…

Naja, aber zurück zum Thema.

Gerade heute erlebt ( und deswegen schreibe ich darüber ). Es sollen in einem Planungstool Daten hervorgehoben eingefärbt dargestellt werden. Die notwendige Funktion in den Programmen dazu soll es geben, das funktioniert angeblich in einer Schwesterfirma schon. Muss bei uns also nur kurz getestet werden, ob es die Funktion in unsrer Systemumgebung auch tut. Natürlich tut sie es nicht. Ich bin kein Pessimist, aber der erste Test mit „vom Hörensagen laufenden Funktionen“ geht nahezu sicher vorhersagbar schief.

Naja, kein Problem – es gibt ja einen Senior-Software-Entwickler, der das ganze entworfen und vielleicht auch selbst programmiert hat. Den schreibe ich auch an und beschreibe den Programmabbruch. Er antwortet auch recht zeitnah zwei Tage später. In der Antwort schreibt er, dass der Abbruch daher komme, dass in einer Steuertabelle ein Parameter eingetragen werden muss, damit der automatische Aufruf einer Funktion in einem anderen System funktionieren kann. Und damit gehen die Probleme eigentlich los.

Der Entwickler schreibt, der Parameter muss in „unserem SCM-System“ eingestellt werden. Ich frage ihn später am Telefon, ob er damit das System xy meint. ( wir haben nämlich mindestens 2 Systeme, die SCM-Systeme sind – was auch immer das jetzt genau ist, tut hier aber auch grade nix zur Sache ). Das weiß er nicht, welche Nummer das System in unserem Systemverbund hat. Als Parameter in dem SCM-System soll übrigens das Systemkürzel für unser „EM-System“ eingetragen werden. Ok… welches ist denn nun unser „EM-System“ ? Ich habe eine Vermutung und äußere dessen Systemnummer zwecks Rückversicherung am Telefon. Aber wieder kann der Senior-Entwickler nix sagen. Er kennt eben den aktuellen Stand unserer Systemlandschaft nicht. Ja und der Parameter ist übrigens genauso ausgeprägt wie in unserem System zz. Welches es aber mittlerweile gar nicht mehr gibt ( es war einmal ein Testsystem)…

Fazit: ich soll einen Parameter, von dem ich nicht genau weiß, wie er ausgeprägt sein soll in einer Tabelle in einem System, von dem ich nicht weiß welches es ist, eintragen.

Nun bin ich ja Kummer gewohnt und fange an rumzuprobieren – ich habe eine Idee, welches System mit welchem „sprechen“ muss, damit die Daten richtig ausgetauscht werden. Also stelle ich im vermuteten System den Parameter mit dem vermutlich benötigten Wert in die vorgesehene Tabelle ein. Resultat: das Programm bricht nicht mehr wie ursprünglich ab. Aber es kommt auch nicht zum Ende. Bzw. hört irgendwann mit einer Fehlermeldung auf zu laufen.

Das ganze beschreibe ich in einer Mail, die ich mit Bitte um Erhellung an besagten Senior-Entwickler schicke.

Und was sagt uns das jetzt ? Zwei Dinge: zum einen, dass „IT-Leute“ sich oft untereinander nicht verstehen. Weil der eine wie beim Gebrauch einer fremden Sprache gar nicht weiß, wovon der andere redet. Tatsächlich vergleichbar wie wenn ich mich mit einem anglophoben Franzosen auf Englisch unterhalten soll. Wir verstehen uns, weil jeder einigermaßen gut oder schlecht Englisch kann ( sogar Franzosen können das, wenn Sie wollen ). Zum anderen auch wieder nicht, weil wir Wörter benutzen, die der jeweils andere nicht kennt. Im Gesprächsfluss mutmaßt man zwar, man verstünde was der andere meine, aber das ist Einbildung. Ja, und die zweite Sache ? IT ist eine Detail-Wissenschaft. Damit eine Funktion/ein Programm das tut was es soll, muss es exakt richtig eingestellt sein. Nicht nur so ungefähr sondern genau richtig. Wenn in ein Feld nur Zahlen reinsollen, dann kann ich da keine Buchstaben reinschreiben. Und wenn der Parameter in einer Tabelle im System IGF eingetragen werden soll, dann bringt das nichts, den Parameter in der Tabelle im System IJF einzutragen.

Das klingt alles so einleuchtend. Aber meistens ist die Rückschau auf Fehler so wie der Blick zurück auf ein Labyrinth, welches man gerade erfolgreich durchquert hat – von hinten betrachtet ist der Weg klar erkennbar. Wenn man aber am Eingang des Labyrinths bzw. neu vor einem Problem/einer Aufgabe steht, dann sieht man halt gerade nicht, welche Abzweigungen zum korrekten Lösungsweg gehören und welche in eine Sackgasse führen.

Es klingt ja gebetsmühlenartig klug daher geredet: in der IT ist Kommunikation wichtig. Zumindest unabdingbar, wenn mehrere Leute das gleiche System betreuen. ( ein Netzwerk kann z.B, auch ein System sein, es muss nicht immer der Zentralrechner einer Firma sein ). So wie beim Sprachenlernen ist sprechen das wichtige, nicht nur das Auswendiglernen von Vokabeln. Weil es wie bei einer Fremdsprache auch bei IT-Begriffen darum geht, den Inhalt bzw Gehalt von Begriffen zu verstehen. Meistens glaube ich zb recht schnell ein Problem und dessen Ursache verstanden zu haben. Habe ich auch. Aber es gibt dann doch Aspekte/Querverbindungen, welche ich da noch nicht sehe. Letzte Woche zb hatte ich angefordert, dass zur Behebung eines Fehlers bei einer Standort-eigenen Kundennummer die Abladestelle „richtig“ zugeordnet wird. Nach der Änderung der Zuordnung ging zwar die Auftragserfassung, aber dafür hat die Umlagerung von Wäre von bzw zu diesem Standort, welcher durch die Kundennummer abgebildet war, nicht mehr funktioniert. Ich hatte diese Querverbindung einfach übersehen. Die Daten im System gesehen, aber nicht passend interpretiert.

Und für alle, die Fragen, warum manche IT-fuzzis so viel Kohle verdienen: weil die eben ein breites und bewusstes/aktives Wissen über die Querverbindungen haben. Sowas muss man dann allerdings noch gut verkaufen können. Ich bin bei beidem leider mässig erfolgreich, aber es kann ja nicht jeder ein smarter, gut aussehender, erfolgreicher und wohlhabender Typ sein. Ich bin einfach nur nett und hilfsbereit … 😉

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