Ruhe, Regen und dann doch nicht

Es plätschert so vor sich hin. Nein, es hat nicht geregnet und ich sitze auch nicht in der Nähe der Toilette. Die Arbeit „plätschert“. Und nur ich kann es hören. Toll, nicht wahr ? Ich kann etwas, was die anderen nicht können – zumindest hat sich bis jetzt keiner geoutet.

Warum höre ich die Arbeit plätschern ? Naja, vielleicht ist das ja das Gefühl des Abflauens von Stress. Vor zwei Monaten ging es noch unter Druck darum, auch abends noch Funktionen zu testen um zu prüfen, ob die Versorgung der Kunden mit Ware auch über das neue System sichergestellt werden kann. Und was kann da nicht alles schiefgehen – die Mengen können falsch berechnet sein, Preise können falsch berechnet sein, Liefertermine sind zu spät, Ware wird im Lager nicht richtig gebucht etc. etc. etc. Und das ganze von der Bestellung bis zur Rechnung über den ganzen Versorgungslauf hinweg.

Und ‚plötzlich‘, 2 Monate weiter läuft alles. Es gibt immer irgendwelche Probleme und Problemchen. Heute z.B. habe ich mal wieder gemerkt, dass man vor lauter „Ruhe“ nicht unvorsichtig werden darf. Ich hatte ein Programm zur Änderung von Preisen korrigiert. Und getestet, ob es mit der Änderung auch richtig läuft. Eigentlich kann/darf ja nur der externe Dienstleister – mit großem bürokratischem Aufwand Programme ändern. Aber ich habe ein kleines Hintertürchen, zumindest kann ich ohne den ganzen Genehmigungsaufwand kleine Programme selber in das System reinbasteln. Was ich auch für einen besonderen Fall wahrgenommen habe. Ja, ich hatte noch einen Fehler gemeldet bekommen ( einige – Gott sei Dank wenige – Kunden aus einem Bereich wurden nich ganz korrekt abgerechnet ). Und recht schnell gemerkt, wo der Fehler war. Kleine Korrektur an 5 Programmstellen – Fehler behoben. Datumsvariablen zum testen umgestellt, erfolgreich mit echten Daten getestet, Testvariablen zurückgesetzt, alles super.

Tja, eine der Testvariablen hatte ich leider nicht zurückgesetzt. Das ist Pech. Zum Glück hat es nur die Reklamationsabteilung gemerkt. Aber mir war das schon sehr unangenehm. Schließlich mache ich ja aus Überzeugung keine Fehler! Mist, manchmal doch. Da merkt man doch, dass der ganze Genehmigungs- Test- und Livesetzungsaufwand im „offiziellen“ Ablauf doch seinen Wert hat. Da wäre das bestimmt ( so hofft man ja immer ) noch jemandem aufgefallen. Aber es sind auch schon Dinge trotz dem Aufwand nicht aufgefallen und haben nachher viel Storno- und Bereinigungsaufwand erzeugt. Aber auch wenn ich mich manchmal wiederhole: auch von der Führungsetage her wird keiner den sprichwörtlichen Kopf kürzer gemacht sondern es wird direkt sachlich gefragt, wie man das Problem schnell aus der Welt bekommt. Irgendwelche sarkastischen Kommentare kommen natürlich an der einen oder anderen Stelle schon, aber nicht persönlich verletzend oder herabwürdigend. Habe ich alles schon anders erlebt.

Und trotzdem: es ist irgendwie ruhig. Zu tun gibt es genug, aber eher „Kleinkram“. Was jetzt nicht schlimm ist – alle reden oder schreiben immer davon, dass man den Moment genießen soll, im Jetzt leben. Das kann ich jetzt, zumindest aktuell. Was eigentlich auch ’nur‘ bedeutet, dass ich die Arbeit auch mal weggearbeitet bekomme und nicht zu viel unerledigt liegen bleibt, weil ging halt nicht…

Nächste Woche geht’s sogar mit nem Kollegen auf Schulung. Da freu ich mich drauf – Abwechslung! Wobei das zum Teil wirklich anstrengend ist – wenn man den ganzen Tag am Analysieren, Testen und Diskutieren ist wird zuhören, aufnehmen und lernen echt anstrengend. Ich werde dann schnell müde und bin mit wachbleiben dermaßen beschäftigt, dass ich den ganzen Vortrag verpasse. Hatte ich letzte Woche, als ein externer drei Stunden am Stück was zu ner Schnittstelle erklärt und gezeigt hat. War aber auch nach dem Mittagessen. Und trotzdem: ich glaube, es hängt schon schwer am Vortragsstil, ob ich müde werde oder dabeibleibe. Der externe Kollege hat halt „sein Ding“ durchgezogen und erzählt/gezeigt, was er für wichtig hält. Ja, er ist natürlich auf unsere Situation und Fragen eingegangen – wir waren ja nur zu dritt, kein Problem. Aber ich bin galt nicht der beste im Behalten von viel Information auf einmal. Und wenn es zu schnell geht, dann werde ich müde. Das war auch schon früher so, wenn auch nicht so ausgeprägt.

Früher meint z.B., einmal dürfte ich bisher zu einer 2-Wochenschulung ins Ausland. Und dann aber direkt nach San Francisco. Zumindest nahe bei dort. Eine Firma, die ‚Dokumentenmanagementsoftware‘ entwickelt saß dort und hat dort auch die Schulung angeboten. Das war ein Erlebnis, aber behalten hab ich nahezu gar nichts. Der Vortragende war Texaner und hat in breitestem Akzent gesprochen. Dazu noch die Zeitumstellung. Eben noch um europäische 7 Uhr morgens aufgestanden ist das dort ca 9 Stunden vorher ( also von uns zu denen rechnet man ja Stunden drauf, aber das ist irgendwie kompliziert, so wie mit Sommer- und Winterzeit ). Also wenn bei uns 7 Uhr ist, dann ist dort in 9 Stunden 7 Uhr. Das heißt, wo ich hier aufstehe gehe ich dort im Vergleich zu hier grade ins Bett. Und wenn dort 9 Uhr morgens ist und die Schulung grade losgeht ist bei uns hier schon 18 Uhr abends. Da sagt der Körper dann „und jetzt gemütlich auf der Couch Fernsehen“, aber der Kopf muss sich konzentrieren. Und dann noch ein Thema, zu dem ich nicht viel wusste. Und dann noch auf englisch. Und dann noch mit texanischem Dialekt… ein Wunder, dass ich überhaupt noch irgendwas mitbekommen habe. Und als I-Tüpfelchen hatten die amerikanischen Kursteilnehmer alle schon Vorkenntnisse…

Aber natürlich waren wir abends und am Wochenende in und um San Francisco unterwegs. War cool.

Nächste Woche die Schulung ist da eher in einer beschaulichen Gegend in Deutschland. Aber auch gut. Andere Firmen bezahlen ihren Leuten keine Schulung… ( eigentlich schon, zumindest wenn sie wirklich gebraucht wird und es nicht nur um das Einhalten von irgendwelchen Standardvorgaben geht ).

Letzte Woche beim Frühstück hatten wir übrigens mal die Idee durchgespielt, aus unserem Arbeitsalltag eine eigene Soap aufzusetzen. So wie „Stromberg“. Nen Titel hatten wir auch schon – „das Großraumbüro“. Ideen gab es auch immens viele, was man da grundsätzlich an Story reinpacken müsste. Aber wenn man sowas ernsthaft machen möchte laufen die Ideen im Kopf alle ganz schnell weg. Und überhaupt könnte man ja nur über virtuelle Kolleginnen/en erzählen, sonst gibts direkt Ärger wg. Verletzung der Persönlichkeitsrechte oder Ausplauderei von Firmeninterna. Tja, doch nicht so einfach im Showgeschäft…

Ich wünsche allen bis hierher gekommenen dann mal eine gute Woche!

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3 Kommentare zu „Ruhe, Regen und dann doch nicht

  1. Brrrrr … Großraumbüro … gruslige Vorstellung!
    Uns (die Grafikabteilung) wollte man zur besseren Sozialisierung (wir verstehen das Konzept „Smalltalk“ nicht) mal in ein Großraumbüro dazusetzen. Da war dann aber mein Gesichtsausdruck wohl zu schnell zu heftig „ich brauche bitte ein Arbeitszeugnis“, so dass man es wieder aufgab und uns neben die IT in die hinterste Ecke eines ungenutzten, schlecht beleuchteten Flures platzierte, wo wir nun glücklich mit unserer Arbeit allein sind.
    Echt jetzt – ich bin zum Arbeiten hier. Und da brauche ich Ruhe. Großraumbüro ist das Gegenteil von Ruhe …

    Gefällt 1 Person

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