Ich helfe gerne! ( und nehme mich selbst nicht so ernst … )

Ja, ich halte mich für hilfsbereit. Mit Grenzen. Natürlich, alles hat Grenzen, auch meine Hilfsbereitschaft. Und mein Gedächtnis. Ich war grade beim Tanken und war plötzlich unsicher mit der PIN für die EC-Karte. Und hab die PIN dann auch konsequenterweise falsch eingegeben. Keine Ahnung warum. Vorzeichen für Alzheimer ? Namen kann ich mir auch fast nicht merken. Oder fehlendes Training ?

Dabei muss ich mir auf der Arbeit so viel Zeugs merken. Nicht dass ich jetzt echt Angst vor Alzheimer hätte – wenn ich mal soweit sein sollte gibt es garantiert auch ein Medikament dagegen, aber unangenehm ist mir das schon. Und erschreckend – heute Nachmittag hatte ich mit der EC-Karte noch Geld abgehoben…

Naja, was war denn auf der Arbeit heute bemerkenswertes los ? Nicht viel… Gestern war ein wichtiges Meeting, da durfte ich ein Problem erläutern ( die Kunden bekommen bei Lieferung von weniger als der bestellten Menge die Position so in deren Portal angezeigt, als wäre gar nichts gekommen – geliefert wurde aber eben nur weniger als bestellt, was dann wenigstens auch genauso auf der Rechnung steht – also ist die Anzeige im Portal falsch ). Und dann noch erzählen, wie ich diesen Misstand zu beheben gedenke. Da gibt es nämlich Einstellungen im System, mit denen das richtig angezeigt wird. Was aber als Konsequenz hätte, dass es noch viel mehr Gründe im System gäbe, mit denen Streichungen von Mengen gegenüber den bestellten Mengen angezeigt wird. Ich hätte ja mal gesagt, dann ist das doch die Lösung. Würde dann ja richtig funktionieren.

Und dann kommt in solch einem Meeting immer das, wovor ich mich fürchte: die Diskussion um die mögliche Lösung. Aus dem Blickwinkel von anderen Abteilungen. Grundsätzlich ist es ja richtig und gut, möglichst alle Meinungen einzuholen und Querverbindungen abzuchecken. Aber meistens führt das dazu, dass die Lösung „kompliziert“ wird. Und nach einer Stunde Diskussion wissen ich und die anderen Beteiligten oft nicht mehr, welche Varianten aufgrund von welchen Argumenten nicht passend sind. Natürlich macht man sich Notizen, um das eingangs erwähnte schlechte Gedächtnis zu unterstützen. Das ist aber manchmal total schwer – gleichzeitig aktiv zuhören und Notizen machen. Da bin ich dann meine drei oder fünf Stichworte am Notieren und mein Gedankenstrom geht grade einem der geäußerten Aspekte nach, da wird schon weiterdiskutiert. Und ich finde, sozusagen abgelenkt von mir selbst gar nicht mehr richtig in die laufende Diskussion rein.

Kennt ihr das auch, dass ihr ab und an mit Menschen sprechen müsst, die irgendwie ständig in eine andere Richtung denken wie ihr selbst ? Z.B. finde ich dann Aspekte von Problemen mit Daten komisch bis lustig oder habe lustige Assoziationen bei Begriffen oder Themen, die aber der/die Gesprächspartner nicht hat/haben – und der/die andere denkt an ganz andere Dinge und kann mit meinem oft ironisch flachen Humor dann so gar nichts anfangen… geht mir oft so mit Führungspersonal. Ich erinnere mich noch, wie ich bei einer ehemaligen Firma mit drei Geschäftsführern nach einer Besprechung Mittag essen „musste“. Mit denen ich sonst fast nichts zu tun hatte. Was spricht man mit solchen Leuten ? Oder wartet man anstandshalber, bis einem selbst das Wort erteilt wird ? Und über was unterhalten sich solche Leute oft ? Über politisch unverfängliche Themen – Fußball oder Sport ist da scheinbar ein Alleskönner-Thema.

Ich finde das übrigens echt total überflüssig, sich über Fussball zu unterhalten, nur damit keine peinlich langen Gesprächspausen entstehen, weil keiner ein angemessenes Thema findet. Und ich bewundere Leute, die in solchen Situationen spontanen Smalltalk zustande bringen. Einfach mal leutselig über die letzten Erlebnisse beim Autofahren/Einkaufen/Reisen/Urlaub oder sonst was „harmloses“ Plaudern – bewundernswert. Ganz schrecklich finde ich übrigens auch den smalltalk, wenn man „Gäste“ empfängt: „sind Sie gut hergekommen ? Ach ja, der Verkehr auf der Axx ( beliebige Autobahn hier einsetzen ) ist ja um die Uhrzeit immer so schlimm… Ja, und dann so früh aufstehen, um pünktlich zum Termin dazusein – das ist schon echt ein hartes Schicksal. Naja, das beweist wahrscheinlich nur, dass ich unglaublich schlecht in der Disziplin smalltalken bin. Was nicht heißt, dass ich sowas nicht Schauspielern könnte – aber ich hab da keinen Spass dran, da geht mir nach drei Sätzen dann doch die Lust aus und dann blockiert das Motivationszentrum im Hirn das weitere freie Assoziieren, auf deutsch: mir fällt dann keine sinnvolle neue Weiterführung der Konversation ein.

Manchmal ist es ja auch angenehm, einfach mal ohne rumgequatsche zusammen einen Tee oder einen Kaffee zu trinken.

Ja, jetzt aber nochmal zur Überschrift: ich sage einfach zu oft „mach ich ( selbstverständlich )“ oder „ich kuck mir das gleich an“. Ich bilde mir ein, einige Kollegen mögen mich gerade deswegen, weil ich da recht unkompliziert bin ( so sehe ich mich jedenfalls ). Auf der anderen Seite hab ich damit regelmäßig zu viel Arbeit und komme mit den offizielleren Themen schnell ins Hintertreffen. Was jetzt aber nicht so schlimm ist – habe über die Jahre auch gelernt, dass es gar keine Kritik an mir selbst meint wenn ich sage „da bin ich bis gerade gar nicht zu gekommen“. Es gibt ja auch Kollegen, die tragen sowas ( da hatte ich noch keine Zeit für ) wie ein kleines Heiligtum vor sich her. Man hat ja soooo viele wichtige Aufgaben und kommt ja deswegen zu nix. Erzeugt oft Mitleid. Oder so jemand kommt mal an das richtige Gegenüber, welches dann einfach mal empathielos zurückfragt „ja und?“…

Konkret hatte ich heute den ganzen Tag mit Telefonanrufen / Fragen quer über den Tisch / Mails / Chats genug zu tun. Immerhin habe ich mit der Aufstellung von Mindermengenlieferursachen – das kam aus dem Meeting gestern raus – auch mal angefangen. Und auch direkt ein schlechtes Gewissen, da nicht schon weiter zu sein. Aber wie machen das die Profis oft ? Die nageln auch häufig Präsentationen zusammen, hauptsache es ist erst mal was da – ob der content wertvoll ist oder nicht können ja gerade im Bereich IT nicht viele Mitstreiter mangels Detailwissen beurteilen.

Aber da muss ich an dieser Stelle doch mal wieder eine Lanze für meine jetzige Firma brechen – man wird ernsthaft gefragt, warum man bei Thema xy nicht weitergekommen ist, aber nicht wegen langer Dauer „fertiggemacht“. Das habe ich vorher schon anders erlebt. Ist doch irgendwie logisch, dass ein ausreichendes/Passendes Arbeitsergebnisse mehr wert ist als ein „fristgerechtes“. Natürlich gibt es unendlich viele Situationen, in denen Termine eingehalten werden müssen. Aber das ist doch alles Mist und der Fehler liegt schon in der Planung, wenn nicht genug Zeit zur Erledigung da ist. Ist ja nicht so als ob Angestellte in einer Firma morgens mit dem Vorsatz zur Arbeit gehen, möglichst schlecht zu ‚performen‘ – ja es mag frustrierte Ausnahmen geben, aber die habe ich noch allerseltenst selbst erlebt, und wenn haben sogar die noch einigermaßen konstruktiv gearbeitet.

Naja, morgen werde ich sehen, was ich von meiner Einstellung habe – vielleicht wird dann doch angemerkt, dass dieses oder jenes Thema dringend fertigwerden/bearbeitet werden muss. Aber auch das kann man sportlich sehen: es gehört eben zum Spiel….

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4 Kommentare zu „Ich helfe gerne! ( und nehme mich selbst nicht so ernst … )

  1. Jeder Mensch vergisst mal temporär etwas. Das ist ganz normal und noch lange kein Grund zur Sorge. „Alzheimer“ kannst du erstmal wieder aus deinen Gedanken streichen. Temporär zumindest.

    Moment mal, … sich über Fußball zu unterhalten ist IMMER sinnvoll. So! Frecheit … *Grummeltvorsichhin.*

    Und noch ein letzter Tipp von mir an dich: Ab und zu in Meetings mal nix zu sagen oder – sogar noch dreister – auch mal das Wort „nein“ zu verwenden, wenn es um die Zuweisung von Arbeiten geht, die erledigt werden müssen, bringt dich nicht um. So setzt du Grenzen und zeigst deinen Kollegen, dass du nicht alles mit dir machen lässt und man dir auch nicht jeden Mist aufhalsen kann. Das kann durchaus Sinn machen.

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  2. Das mit dem Fußball nicht falsch verstehen – ich finde es gut, wenn sich Menschen über ihre Interessen austauschen. Naja gut, ne halbe Stunde NUR über Fußball wäre für mich dann doch ein Grund, Reissaus zu nehmen.. aber dieses politisch korrekte Kommunizieren nur um was gesagt zu haben – und da geht’s häufig um Fußball – DAS geht mir auf den Zeiger. Ich finde es zB voll interessant, wenn mir jemand von seinem/ihrem Erlebnis im Stadion berichtet. Aber ob Köln jetzt noch in der Liga bleibt oder absteigt und wer jetzt gerade Trainer von FC hastenichgesehen ist und ob Ronaldo jetzt im letzten Spiel gegen Mailand einen wirklich bemerkenswerten Fallrückzieher in der 95.ten Minute gemacht hat – das ist jetzt nicht so das, was meine Aufmerksamkeit anstachelt …

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  3. Meetings – weil wir zusammen viel dümmer sein können als allein! 🙂

    Und Smalltalk ist des Teufels, da weder zielführend noch interessant. Zumindest im Arbeitsumfeld. Da hat man einfach nicht genug Schnittmenge mit dem Rest der Belegschaft, um ein Thema oberhalb des Wetters zu finden.

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  4. Smalltalk machen kann man lernen, wobei ichj ja das viel schönere Wort „plaudern“ liebe. Aber wie alles im Leben will auch Kommunikation in all ihren Formen gelernt sein und muß geübt werden. Das kann auch Spaß machen, aber von ganz allein, geht es nur mit Menschen, die einem vertraut und vor allem sympathisch sind. Aber anstrengend finde ich es auch.

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