Suche funktionierende Daten!

Heute mal wieder was von meinem Arbeitsalltag. Ich verbringe gerade den größten Teil des Tages damit, Daten zu suchen.

Nein, die hat keiner verloren, es werden auch keine vermisst. Es handelt sich eher um das Resultat von Arbeitsteilung.

Als ich im Studium mal den Begriff des „Tailorismus“ ( oder so ähnlich ) gelernt habe wusste ich noch nicht, dass es mich mal voll treffen würde. Damit ist übrigens ganz schlicht die Aufteilung von Arbeitsschritten auf mehrere Leute gemeint. Henry Ford war da angeblich ein Vorreiter – bei der Fertigung von Autos macht es ja Sinn, dass nicht ein Mensch allein ein ganzes Auto baut sondern dass ein Bauteil in zig tausend Autos immer von der gleichen Person verbaut wird. Die kann das dann aber auch perfekt. ( die Arbeitsteilung meint für mich selbst übrigens, dass Person A ein Problem mit Programmen/Funktionen feststellt, Person B überlegt sich ne Lösung und beauftragt damit Person C, wenn Lösung fertig meldet Person D an Person E, dass Lösung getestet werden kann, Person E beauftragt dann Person F dies auch zu tun usw usf ).

Ja und da sind wir dann auch gleich beim Unterschied zwischen der Henry-Ford-Welt und meiner Welt. Ich bekomme neuprogrammierte Funktionen zum Test, damit ich bestätigen kann, dass diese korrekt laufen. Idealerweise sind das Funktionen, die in den Programmteilen enthalten sind, welche ich betreue und kenne. Das Wort „idealerweise“ impliziert ja schon, dass das nicht immer so ist …

Nun ja, ich bekomme die Testaufgaben ja mit einer kleinen Beschreibung, was zu testen ist. Nun kommt es eben auf die Beschreibung an, ob ich verstehe, was da gemacht wurde und wie man das testen kann. Bei drei von fünf Testaufgaben verstehe ich, worum es geht. Und dann sind die neuen Funktionen in einem separaten Testsystem eingespielt, aus Sicherheitsgründen natürlich nicht im produktiv laufenden System.

Und da fangen die Probleme dann an – dieses Testsystem ( ich arbeite in einer großen Firma, da gibt es dann auch direkt drei Testsysteme ) hat oft nur wenige brauchbare Daten – Artikeldaten, Kundendaten etc. im Bauch. Und die Daten, welche da sind, sind oft qualitativ nicht zu gebrauchen- will meinen, dass der Inhalt von vielen Feldern eines Artikels hahnebüchener Unsinn ist. Eine Bestellmenge von 1.000.000 Tomatenkonserven am Tag ist zwar immerhin schon mal ein Feldinhalt, aber eben total unrealistisch. Und wenn man zu dem Artikel dann eine neue Methode einer Bedarfsprognoserechnung testen will kommt Blödsinn raus. Jetzt ist es oft nicht klar, ob der Blödsinn aus so einem falschen Feldinhalt oder einem Programmfehler her resultiert. „Na dann kontrollier doch eben die Feldinhalte!“. Könnte jetzt ein wohlgemeinter Ratschlag dazu sein. Gerne. Aber welche ? „Na eben alle“. Ok. Aber welche sind alle ? „Na das musst du doch wissen, du beschäftigst dich doch das ganze Jahr lang mit dem Mist!“.

So hat das keiner zu mir gesagt, aber man kann Menschen nicht verübeln, wenn sie – in Unkenntnis der Komplexität des Themas und auch meist unter Erfolgsdruck – so denken. Auch ich würde so denken, wenn ich es nicht besser wüsste. Aber ich weiß eben mittlerweile, dass es unzählige Felder gibt, deren Bedeutung ich nicht kenne. Das kann man vielleicht mit einem Arzt vergleichen, der eine Diagnose stellen soll – wenn z.B. ein Augenarzt etwas zu einem Dekubitus sagen soll – Arzt ist schließlich Arzt, oder ? Hat ja schließlich nen weißen Kittel an, der MUSS das dann ja alles wissen. Aber das ist mal wieder ein weites Feld, wie Fontane sagen würde…

Na jedenfalls würden mir Testfälle zugeordnet, die ich in einem Testsystem durchspielen/prüfen soll. 6 an der Zahl. Beim ersten Fall geht es darum, dass Kunden bei ersatzweise gelieferter Ware ( also Kunde bestellt Artikel A, der ist aber nicht da, also bekommt er eine Alternative zu A, nennen wir es mal Artikel B ) auch den Preis von B und nicht den von A berechnet bekommt. Hört sich nach einer Selbstverständlichkeit an, aber es gibt in den komplizierten Logiken der Ersetzung „Schlupflöcher“, bei denen das andersherum läuft. Die müssen aber dichtgemacht werden.

Hab ich getestet. Funktioniert leider immer noch nicht. Hab das in dem Testverwaltungstool vermerkt – kam auch direkt die Rückfrage, ob ich das Ernst meinen würde. Natürlich meine ich das ernst. Ich soll jetzt umgehend den Programmierer kontaktieren, damit der das repariert. Ok, mache ich.

Bei Test 2 von 6 verstehe ich die zu testende Entwicklung nicht. Das Lesen und Schreiben von Daten aus/in eine Datenstruktur wurde optimiert. Schön. Aber in welchem Zusammenhang wird das genutzt ? Ich habe keine Ahnung von dem Prozess. Also E-Mail an den Entwicklungsverantwortlichen mit Bitte um weitere Erläuterung, wie man das testen kann.

Dritter Testfall: hier wurde ein Programm geändert, welches von einer anderen Unternehmenseinheit benutzt wird. Aha. Also hab ich/hat das mit uns doch nichts zu tun ? Auf Rückfrage dazu soll ich meinen Skrum-Master fragen. Wen ? Wer ist das ? „Na das steht doch im Intranet!“. Aha. Und wo ? Ich oute mich als unwissend. Außerdem braucht man fürs Intranet ein Passwort und meins ist letztens abgelaufen. Na zum Glück hab ich ne Kollegin, die für mich kucken kann. Der Master bekommt also ne Mail von mir mit der Frage, ob ich da was tun muss.

Vierter Testfall: ich verstehe zwar ungefähr, worum es geht ( zumindest das Problem ), aber die Lösungsbeschreibung will mir nicht einleuchten. In der Schnittstelle von Logistik-System zu Finanzsystem werden bei Retourenbuchungen Pfandpositionen falsch übertragen. Aha. Frage meinen Kollegen, der sich um Retouren kümmert, was ich da genau machen soll. Nichts. Ist sein Thema,er versteht gar nicht, warum das bei mir gelandet ist und lässt sich den Testfall zuweisen. Na dann: wieder einer weniger.

Fall 5 und 6 bearbeitet schon ein anderer Kollege.

Dann bin ich ja durch ?

Von mir aus: es ist Freitag ( Freitags wird per Definition kürzer als sonst gearbeitet ), dann ergreife ich doch mal die sich bietende Chance und gehe auch mal „regulär früh“ nach Hause. Zu tun gäbe es ja noch genug. Aber es gibt IMMER noch was zu tun. Die Kunden, die dringend den Liefertemin schieben müssen. Die Bestandsreservierungen, bei denen nicht klar ist, warum die ab und an nicht richtig laufen. Und so weiter und so fort.

Ich mache trotzdem Wochenende. Habe gestern noch gelesen, als Führungskraft muss man sich auch mal von seiner Arbeit trennen können. Ich bin keine Führungskraft. Darf ich mich trotzdem von meiner Arbeit trennen ?

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Ein Kommentar zu „Suche funktionierende Daten!

  1. Habt ihr kein Dezidiertes Test Team? Bei uns gibt es das und die kennen die Applikationen welche sie testen meistens recht gut (ausser sie sind neu).
    Und die erstellen auch die korrekten Test Daten. Ich habe meine Business Analysten immer dazu gezwungen, den Testern nicht nur die Anforderungsspezifikation zu senden, sonden ihnen in einem Meeting, die gemachten Änderungen zu erklären und zu sagen auf was sie speziell achten müssen. Das half den Testern enorm. Die gefundenen Defekts wurden im Quality Center erfasst und in der Regel kümmerte sich dann zuerst ein Business Analyst darum. Oder die Entwickler schauten selber rein und fixten gleich was sie „verbrochen“ hatten. Klar ist das Bank Umfeld, aber auch du hast mit Kunden Daten zu tun, da muss man doch genau testen und wissen wonach man suchen muss?

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