Mittwoch – Telepathie ist alternativlos

Wurdet ihr bei eurer Einstellung auch gefragt, ob ihr teamfähig seid ? So genau weiß ich das schon nicht mehr. Ich glaube, so plump wurde ich das auch bestimmt nicht gefragt. Was ich damals aber nicht wusste: Damit ist eigentlich nicht gemeint, ob ich mit anderen Menschen klar komme sondern ob ich telepathische Fähigkeiten habe. Wer star trek kennt, weiß was ein Borg-kollektiv ist ( für alle anderen: das sind menschenförmige Maschinen-Aliens, die alle telepathisch mit dem Kollektiv und damit miteinander vernetzt sind ). DAS sind eigentlich die perfekten Mitarbeiter einer IT-Abteilung. Zumindest wenn man der Teamleitung aus dem Fachbereich manchmal zuhört. Da kommen dann so Sätze wie „ja das müssen die Kollegen doch mit Ihnen abgestimmt haben“. Oder: „das habe ich doch schon Herrn/Frau xy erklärt“.

Nun ist das mit ‚das habe ich doch schon xy erklärt‘ kein reines IT-Phänomen. Solch ein Satz könnte bestimmt auch an einer Telfonhotline fallen. Aber ich arbeite nun mal in der IT, heute war wieder ein wöchentlich angesetztes Meeting mit „dem Fachbereich“ ( also Teamleitern aus den Fachbereichen ), mit denen aktuelle Themen, Projektfortschritt und Ticketstati besprochen wurden.

Ich weiß nicht, ob „der Fachbereich“ – also die heutigen Meetingteilnehmer bzw. deren Mitarbeiter – eigentlich a) wissen, wieviele Leute tatsächlich in der IT arbeiten und b) wissen, wie „unser“ Tag aussieht. b) will meinen, daß unsereiner eigentlich nahezu den ganzen Tag ( zumindest aktuell ) mit dem Beheben von großen und kleinen Problemen, dem Beantworten von Anfragen per Mail oder Telefon oder der Teilnahme an ‚wichtigen Meetings‘ beschäftigt ist. Wir tauschen uns intern gerade mal über die wichtigsten Probleme aus, meistens beim Begrüßen morgens, wenn wir zusammen aus nem Meeting in die Büroräume zurücklaufen oder wenn mal ich oder ein Kollege/eine Kollegin bei einem anderen zu einem Problem Rat suchen. Was wir NICHT machen: wir bilden nicht dreimal am Tag Gesprächskreise, in welchen wir uns ausführlich über neue Entwicklungen, mögliche Informationsdefizite zwischen Teams und Abteilungen bzgl. IT oder die Stati aller in  der Abteilung in Arbeit befindlichen Probleme austauschen. Natürlich gemütlich bei Kaffee und Kuchen. Die drei Buttons in den zwei Programmen, welche ich betreue klicke ich entweder morgens kurz nach dem Reinkommen oder abends kurz vorm Gehen an. Dazwischen sitze ich gerne mit den Kollegen im Bistro oder prüfe meinen Terminkalender, in welchem Raum der nächste Gesprächskreis ( s.o. ) ansteht.

Also ich will jetzt nicht im Sarkasmus abtauchen, dazu mache ich meine Arbeit zu gerne und habe wirklich tolle Kollegen/Kolleginnen ( naja, Ausahmen bestätigen die Regel oder wie war das noch… ). Aber es gibt eben so bestimmte „Reizsituationen“. Das eine ist die Sache mit der erwarteten Telpathie. ( falls einer von euch mal mit der IT zu tun hat und sich ärgert, daß Mitarbeiter A nicht direkt weiß, was ich mit Mitarbeiter B dort besprochen habt: denkt daran, daß dieser „Automatismus“ im Informationsaustausch am besten in einem Borg-kollektiv funktioniert. Und wollt ihr wirklich mit solchen Wesen zu tun haben ? Oder doch vielleicht noch mit Menschen ? )

Eine andere Reizsituation erzeugt der Satz „das haben wird doch vor xy Tagen/Wochen/Monaten/im Meeting von ….. ausführlich besprochen“. Nein. Haben wird nicht. Wir haben vielleicht mal über Thema xy geredet. Leider hat meine eingebaute Gesprächsmemory-funktion einige Details aus dem Gespräch gefiltert. Unter anderem warhscheinlich den appelativ befehlenden Charakter einiger Äußerungen. Warum darf jemand aus der IT eigentlich nichts vergessen ? Andere Abteilungen dürfen mit einem „ups, das haben wir vergessen/nicht verstanden/übersehen“ Themen beiseite schieben. Aber wehe von der IT wird die vor 3 Monaten gestellte Frage nach einer Funktion im System nicht proaktiv untersucht und erklärt.

Ja, ok, jetzt schwingt wohl eine gewisse Aggression in meinen Worten mit. Was natürlich aus meiner eigenen Interpretation von Besprechungssituationen resultiert. Manches interpretiere ich wahrscheinlich aufgrund meiner Erziehung und meinem sozialen Umgang ( Achtung, ich bin ein IT-Nerd! ) falsch – gemeint war ein „wie weit ich Thema xy eigentlich“ und ich verstehe „warum ist das noch nicht fertig.. ?“. Und bestimmt haben andere „auf der anderen Seite des Tisches“ auch ein Problem, mich und meine Sprachinhalte richtig zu verstehen. Wenn ich z.B. erkläre, daß Parameter A und B nicht richtig synchronsisiert sind und deswegen Programm C nicht mit D richtig Daten austauscht, und deswegen die Terminierung in den Aufträgen nicht richtig funktionieren kann .. => kann man das nicht auch so ausdrücken, daß Nicht-IT-ler das verstehen ? …

Naja, Meetings sind das eine. Heute war wieder „kleiner Katastrophen-Tag“. Zugeschaltete ( vom alten auf das neue System „migrierte“ Kunden ) haben bestellt, ihre Bestellungen müssen über einen zusätzlichen Server laufen, dort wurden die Bestellpositionen vervielfacht. Und so ans Lager zum Versand durchgereicht. Gott sei Dank hat die Lagermannschaft schon von selbst begonnen, die Bestellungen soweit zu kürzen, daß realistische Mengen versendet werden. Da sind die echt gut drin. Jahrelange Erfahrung machts möglich. Insofern war das „Aufräumen“ im System easy. Nicht zeitkritisch, also ohne Druck und eigentlich auch nicht notwendig, da die Kürzung vom Versand eigentlich Teil des „regulären Prozesses“ ist. Aber trotzdem war Murphy noch kurz zu Besuch und hat ein Marmeladenbrot auf dem Boden mit der beschmierten Seite nach unten liegen lassen. Will heißen: Samstag vor ner Woche wurden irrtümlich alte Bestellungen nochmal ins System geladen. Wir ( im Projektteam der IT ) waren der Meinung, wir hätten alle gefunden und die überflüssigen auch alle storniert. Ein paar sind wohl doch durchgekommen. Und blockieren dann den Versand von inhaltlich richtigen Bestellungen. Naja, ob der Menge und Größe des Problems ist die Zahl der übersehenen Einzelfälle sehr überschaubar. Im Einzelfall nicht schön, aber im Vergleich zu den sonst bewegten Mengen winzig. Aber auch kleine Lebewesen wirken unter dem Mikroskop eben sehr sehr groß.

Ach so, wofür ich mich heute bedanke: mal überlegen …. ach, hatten wir ja schon: ich bedanke mich ( beim Universum … ) für die guten Versandmitarbeiter, welche von sich aus die überhohen Mengen gefunden und korrigiert haben.

Und morgen gibts dann – eventuell, wenn das angekündigte Meeting denn auch wirklich stattfindet – neues zur Organisation. Der Teilprojektleiter ist nur noch kurz da und will seine Themen übergeben. Und da das Projekt, in welchem wir uns seit längerem befinden jetzt auch irgendwann mal zu Ende ist werden die externen Mitarbeiter abgebaut. Alles normal, aber wenns tatsächlich passiert ist es dann doch wie Weihnachten jedes Jahr: ja ist es jetzt ernsthaft tatsächlich schon so weit ? …

Und bei euch so 😉 ??

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2 Kommentare zu „Mittwoch – Telepathie ist alternativlos

  1. Tja die Sichtweise eines IT´lers.

    Mal von der anderen Seite betrachtet, bis vor kurzem hatte ich auch ein „Vergnügen“ mit einem System arbeiten zu müssen. Im Nachhinein bin ich froh nicht mehr mit einem System arbeiten zu müssen, das mir eigentlich die Arbeit ermöglichen bis erleichtern soll, umeigentlich aber vor Fehlerquellen strotz und mehr kontrolliert werden soll-muß, als das man echte Zeit hat damit zu arbeiten ( meine Rückmeldung an die Entwickler wurde dann mit einem:“ja das ist eben so und dann muß man doch das und das noch machen, obwohl man doch schon dort einen Harken gesetzt hatte…“ beantwortet. Ja hallo ! wir den von einem einfachen Buchungsvorgang, mehr nicht !). Mein Mitleid also an dieser Stelle.

    ( Was ich der auch nicht so als einfacher Mensch verstehe, so ein System ist doch nix anderes als eine Excel, mal ganz grob ausgedrückt-gedacht ? Ich kann meine Exceltabelle fehlerfrei laufen lassen. Wiso geht das nicht im großen ? )

    Übrigens, zur Zeit arbeite ich wieder und auch lieber mit echten Menschen ( anstatt mit Maschinen ). Insofern ist da nicht nur eine Teamfähigkeit gefragt, sondern auch eine Menschenfähigkeit. Und ich glaube da genau liegt oft das Problem. Viele IT´ler beschäftigen sich nur mit dem System oder noch besser über das System mit den Menschen. So kann Teamfähigkeit aber nur stotternd funktionieren. Da helfen dann auch keine Meetings.

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  2. Im Borgkollektiv sind alle gleichgestellt, nur die Königin ist oben.
    Beim Menschen funktioniert doch schon im Einzelmenschen die Kommunikation nicht zeitgleich und unhierarchisch. Der Bauch will was anderes als das Hirn, das Hirn sieht das nicht ein, und die Botenstoffe machen einen Umweg über die Haut.
    Telepathie funktioniert nur mit laaaangsaaam und sooooorgfälitig kalibrierten Antennen mit wenigen ausgewählten Personen, die auch ihre Antennen laaaaangsaaam und sooooorgfältig kalibriert haben. Und dann ziehen sich die Antennenträger zurück, machen sich teilweise transparent, und die anderen Teile schirmen sie ab, und dann funktioniert das eventuell. Nur auf welcher Ebene? Der eine sendet Farben, und der andere versteht Töne und das ist noch irgendwie einfach. Und wehe, es entsteht ein Funkloch!
    Oder die Antenne wird geknickt! Wir müssen alle noch viel üben, und schöne langsame Telepathieräume erschaffen.

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