Dienstag – es läuft, es läuft….

Bin wieder mal müde. Gestern Abend noch gearbeitet – an einem kleinen Programm leidlich erfolgreich rumgeschraubt, schlecht geschlafen ( verdammt, warum arbeite ich abends – ich weiß doch eigentlich, dass ich dann schlecht schlafe ) und zu früh – so um 5 – wachgeworden.

Und, wie war euer Tag so ?

Hab hier ja gelernt, dass man sich auch mal für etwas am Tag ‚bedanken‘ soll – also ich bedanke mich heute für die Einweisung/Übergabe/know-how-Transfer von ner externen Kollegin. Sie ist mittlerweile – jetzt wo sie uns verlässt – recht umgänglich. Immer noch sehr detailversessen und 100% technisch korrekt, aber jetzt nimmt sie sich auch mal Zeit, andere an ihrem Gedankenstrom und ihren Schlussfolgerungen teilnehmen zu lassen.

Eigentlich perfekt für die IT, schließlich verzeiht ein Computer mit seinen Programmen keine Fehler, was auch immer sie euch erzählen! Lasst euch nicht blenden – IT lebt von Exaktheit. Ich muss es wissen. Schließlich arbeite ich lieber nach try and error oder intuitiv. Und bekomme damit regelmäßig mehr oder weniger unbemerkt ‚auf die Fresse‘ ( die verbale Entgleisung ist atypisch, betont aber das emotionale Erlebnis wenn man Fehler macht oder nicht weiß/versteht/erklären kann, warum Programme sich so verhalten ( haben ) wie sie sich verhalten ). Mehr unbemerkt wenn ich was ohne Zuschauer ausprobiere, weniger unbemerkt wenn es sich um eine Präsentation während eines Meetings handelt.

Früher hatte ich mich von Programmfehlern oder Fehlfunktionen bei einer Präsentation aus der Bahn werfen lassen. Mittlerweile ist das oft genug passiert, ich bin routiniert geworden und gehe einfach darüber weg. Was bleibt eher im Gedächtnis – eine flüssige Präsentation mit Fehlern, über die alle schmunzeln können oder eine perfekt angestrebte aber durch hektische unvorhergesehene unkoordinierte Fehlersuche unterbrochene solche ? Fehler gehören dazu. Außerdem bin ich Techniker. Kein Verkäufer. Habe aber schon einige Verkaufspräsentationen erlebt. Jemand von Euch auch schon ? Typische Sätze von IT-Verkäufern: „das hat unsere Entwicklungsabteilung nächste Woche behoben“, „das hier ist ein Testsystem“, „das liegt an meinem neuen Rechner“, etc… Warum soll ich also nicht davon lernen und selbst auf ‚Unschuldig‘ machen, wenn etwas nicht geht….

Heute und gestern keine Katastrophe mit dem neunen System. Komme mir langsam fast überflüssig vor. Nein, nicht wirklich. Es gibt noch genug Fehler und Tickets, aber die Auswirkungen sind weniger groß, die Behebung wir routinierter und die Probleme kommen zum Teil aus ‚Ecken‘, mit denen ich eigentlich gar nichts zu tun habe. ‚Highlight des Tages diesbezüglich‘: Kunden haben Streckenware doppelt erhalten. Wer sich ein bisschen im Genre auskennt weiß, dass „Strecke“ eigentlich heißt „nicht übers Lager“. Ich betreue das „Lagergeschäft“. Strecke läuft über andere Systeme. Die kenne ich noch nicht mal. Das Prinzip habe ich verstanden, aber ich kenne eben die Systeme nicht, wo das drüber läuft. Damit Murphy nicht umsonst gelebt hat, bekomme ich heute folgerichtig eine Mail über unseren Abteilungsleiter ( vom Prozessmanager ) mit der Bitte zu ergründen, warum Kunden per Streckenlieferung Wäre doppelt bekommen haben. In der Mail steht sogar der Name einer ( vermeintlichen ) Ansprechpartnerin beim Dienstleister zu der Abwicklung. Deren Telefonnummer finde ich im Telefonverzeichnis. Steht auch in der Mail ( „Kontaktdaten finden sich im Telefonverzeichnis“ ). Ok. Anruf. Klingeln lassen. Länger klingeln lassen ( Festnetz ). Keiner geht ran. Mobilnummer suchen. Anrufen. „Dies ist die Mailbox von ….“. Ich nehme mir gefühlte 5 Minuten Zeit um das Problem, meine Involviertheit und die Bitte um baldigen Rückruf zu formulieren. Kein Rückruf. Den ganzen Tag nicht. Wahrscheinlich hat die Gute Urlaub. Oder sie denkt „wer ist DAS denn“ und hat dringendere Dinge zu tun. Hab das Ticket/die Mail schließlich an ein anderes Team überstellt. Letztendlich muss das Problem geklärt und gelöst werden, ich vermute andere können das besser ( überhaupt … ).

Naja, wenigstens ist noch Kuchen von gestern da. Vorausschauend hat der Kollege Marmorkuchem mitgebracht. Den kann man am zweiten Tag noch essen, wenn am ersten was übrig bleibt. Passt übrigens gut zu Kaffee. Was ich als IT-Mensch nie trinken würde. Eigentlich unheimlich – die Kaffeepflanze produziert fleißig Giftstoffe um feindliche Insekten abzuhalten, wir rösten die Früchte und trinken den Sud… wobei ich da sonst nie dran denke, ich genieße in der Regel einfach das Aroma des Heissgetränks und bin froh ob der müdigkeitsentgegenwirkenden Wirkung. Zumindest wirkt es eine gewisse Zeit lang…

Eine andere Spezis von Ticketschreibern verarzte ich über Mittag: den Statustracker. Ticket erfasst: 03.11. Nachgefragt, was ‚der Status‘ macht: 04.11. Nächste Nachfrage: 15.11 – mit Hinweis auf unser Telefonat zu dem Fall. Falls ich mich nicht mehr erinnere, könne ich ja zurückrufen. Heute habe ich den Fall ( hoffentlich ) gelöst. Nicht weil ich so langsam oder träge bin sondern weil ich mich erst langsam – jetzt kommt ja endlich nicht mehr ständig eine kleine Katastrophe – zu den älteren Tickets vorarbeite. Irgendwer scheint in unserer Firma Privatkurse im „Tracken“ zu geben – es gibt einige Kollegen aus dem Fachbereich, die das nahezu perfekt praktizieren. Eigentlich nicht verkehrt, bestimmt sogar sinnvoll. Und Hauptsache höflich. Aber wer mich etwas näher kennt weiß, dass ich mir Mühe gebe, allen die am Tischtuch ziehen gerecht zu werden. Also es ist nicht so, dass ich mit Absicht Fragen und Probleme liegen lasse. Im Gegenteil, meine Frau meckert schon seit Monaten, dass meine Work-life-Balance keine Balance ist. Da könnte es mir doch fast unangenehm erscheinen, wenn ich am Tag A ein Problem gemeldet bekomme und am Vormittag Tag B die erste Nachfrage dazu. Natürlich freue ich mich, wenn ich z.B. privat eine Telefonstörung melde und am nächsten Tag eine Rückmeldung bekomme. Aber ich habe auch Verständnis, wenn es länger dauert. Derjenige, welcher sich kümmert, kümmert sich ja wenigstens. An Demjenigen dann noch den Unmut über Unzufriedenheit mit der Geschwindigkeit auszulassen könnte vielleicht emotional kurzfristige Bedürfnisse erfüllen, ist aber insgesamt eher kontraproduktiv.

Ach so, morgen könnte es mal wieder Probleme geben – heute wurden ins System Programmanpassungen eingespielt. Bin gespannt, ob es morgen vielleicht mal ruhig beibt… Murphy war schließlich heute schon mal kurz zu Besuch, aber ist ja nicht reingekommen und hat nur durchs Fenster gekuckt.

Und bei euch so ?

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2 Kommentare zu „Dienstag – es läuft, es läuft….

  1. Oh yes, been there, done that, habe das eigentlich geliebt, aber der Stress wurde mit der Zeit immer schlimmer. Wer viel leistet, dem packt man noch mehr auf den Rücken…bis vor kurzem. Jetzt andere Ecke in der IT, mal schauen wie lange es dort geht, bis alle immer alles von mir wollen. Ich versuche möglichst nur die nötigsten Rechte zu haben, sonst müsste ich da auch bald Alles machen.

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