Donnerstag – das Haus mit den versteckten Türen

Wie funktioniert eigentlich know-how-transfer ?

Zu dem Satz kann man jetzt bestimmt verschiedenes denken. Z.B. „Och nee, wieder so ein englisches Modewort“. Oder: „doch eigentlich simpel, zwei Leute setzten sich zusammen hin, der eine zeigt dem anderen was und der andere hört zu“. Also doch eigentlich simpel.

Ja, aber es kann aber auch kompliziert werden. Aus Gründen, zu denen ist meine Fantasie gar nicht fähig sich das vorher auszumalen. Vielleicht gehe ich an sowas ja auch zu pragmatisch ran und von außen betrachtet ist es logisch, dass es so läuft wie es läuft. Aber der Reihe nach.

Es geht aktuell konkret mal wieder um das Problem mit der Schnittstelle zwischen dem System in dem sich die Kundenaufträge befinden und dem System, in denen Versanddaten „berechnet“ werden. Beide Systeme sind bei einem Geschäftsvorfall nicht immer synchron. D.h. nicht alle Daten von System A landen per Übertragung in System B. Was aber notwendig ist, damit B richtig rechnet. Ein kundiger Programmierer hat hier schon Abhilfe geschaffen. Aber bevor die geänderte Programmierung ins produktive System rübergeht muss erst noch „getestet“ werden, d.h. es muss anhand von praxisnahen Beispielbuchungen im Testsystem geprüft werden, ob das System noch so reagiert wie vorher ( und nichts verschlimmbessert wurde ). Soweit so gut. Testen darf ich. Na gut. Ich habe das Problem an dich verstanden und kann loslegen.

Und jetzt kommt die Sache mit dem know-how-Transfer: wer hats erfunden ( den Prozess, den ich testen muss ? ) Natürlich nicht ich sondern andere. Was weiß ich über den Prozess ? Gefühlt eine ganze Menge.

Nun sitzt mir eine sog. „Externe Kollegin“. die nachdem, was ich weiß, an dem Design/der Realisierung des Prozesses maßgeblich beteiligt war mir schräg gegenüber. Ich frage sie auch, wenn ich Fragen habe. Aber mit ihren Antworten tun sich viele Leute schwer.

Ich teste ca. 2 Stunden lang. D.h. suche zum zu testenden Geschäftsvorfall passende Aufträge im produktiven System, übertrage diese ins Testsystem und verbuche dort die Übertragungsbelege. Als Ergebnis entstehen Testaufträge. Und die müssen vollständig im Versandsystem erscheinen. Tun sie auch wie gewünscht. Die Welt ist schön.

Ich frage die kundige externe Kollegin am späten Nachmittag, ob ich bei dem ganzen noch was besonderes beachten muss ( hatte sie am Tag vorher schon das gleiche gefragt – sie hat mir was von „du solltest zum Einbuchen der übertragenen Aufträge Programm xy verwenden“ erzählt. Ich frage nicht warum, schreib mir das für später auf und vergesse dieses Detail. )

Heute dann als Antwort auf meine Frage nach „muss ich noch was beachten“: „hast du Programm xy verwendet ?“ Nö, ging ja auch anders. „Aber wenn du xy nicht verwendest, dann weißt du doch gar nicht ob die Verbuchung richtig läuft, im produktiven System läuft die Verbuchung schließlich über xy“. Aha. Résistance is futile. Ich frage, was denn bei xy anders läuft als beim regulär für Einbuchungen laufenden Programm. „Na da wird doch das Zusammenspiel mit dem anderen System ganz anders angesteuert.“ Aha. Was bedeutet denn anders ? „Ja in Tabelle xyz stehen Parameter, die das Zusammenspiel anders steuern. Ich kucke mir Tabelle xyz an. Und frage nach der Bedeutung der Parameter. Es folgt ein ca dreiminütiger Vortrag über die Ausprägung und Varianten des Geschäftsvorfalls, für den ich gerade die Tests mache. „Und denk auch an die Variante, die in System A über Funtion Z dann wieder Soundso als Ergebnis haben muss, wenn du die Schnittstelle testest. Und außerdem gibt es in der Variante dann noch die Besonderheit D, die zu berücksichtigen ist. Und außerdem: was ist eigentlich bei Funktion L als Ergebnis rausgekommen, da hatte ich gestern in einem anderen Testsystem Probleme mit“.

Ich fühle mich geplättet. Die Variante ? Funktion Z ? L ? Woher soll ich das alles wissen ? Ein Kollege von mir und ich sind in der IT für die zu testende Abwicklung ‚zuständig‘. Ich vermute mal, der Kollege ( in der og Situation natürlich nicht anwesend ) hat von dem ganzen noch weniger Ahnung als ich.

ich frage die externe Kollegin etwas konsterniert, ob es mit dem Team, welche die einzubuchenden Aufträge „liefert“ ( über eine vorgelagerte Schnittstelle ) eine schriftliche = niedergeschriebene Vereinbarung zu der Datenübertragung ( Doku ? ) gibt. „Nein, wieso, die übertragen die Daten doch wie alle anderen auch über Format abc „. Äh, ja. Aber die müssen doch in zwei besonderen Situationen die Daten etwas abgewandelt liefern, damit in ‚unserem System‘ die Verbuchung etwas anders läuft. „Ja, das machen die aber auch korrekt“.

Ok… Ich frage, ob es an anderer Stelle ( von den Leuten, die die Veruchung der Daten in ‚unserem System‘ eingerichtet haben ) eine Doku = schriftliche Unterlagen gibt. „Hm, da ist in den Standard-Dokus vom ehemaligen externen Kollegen Sergej bestimmt was drin. Ansonsten muss man die Produktmanagerin fragen, welche die Implementierung vorgenommen hat und in der Konzeptphase mit dabei war“

Ich habe den genannten Sergej noch ein halbes Jahr kennengelernt. Der hat zwar technische Prameter von ’seinen‘ Schnittstellen in Dokumente geschrieben, aber selten mehr. Ich weiß jetzt schon, dass mir diese Doku ( sofern ich sie im zentralen Ablagelaufwerk oder auf dem Projektsystem des externen Dienstleisters überhaupt finden würde ) wahrscheinlich nichts bringen wird.

Frustriert fahre ich meinen Rechner runter, es ist mittlerweile halb sechs und mein Kollege, mit dem ich nach Hause fahre kommt vorbei,

Später im Auto erzählt er mir, dass ich ihn zu dem Thema des Prozessablaufs auch fragen könne. Er war damals, als das ‚eingerichtet‘ bzw. besprochen wurde der zuständige Prozessmanager. Aber er kenne die technischen Details der Implementierung natürlich nicht.

Was hat das alle so mit know-how-Transfer zu tun ? Nun, ich wünschte es gäbe jemand, der mir verständlich Zusammenhänge erklären könnte. So als Leitfaden für meinen Test. Aber da komme ich wohl zwei Jahre zu spät – da wurde sich der Ablauf ausgedacht. Jetzt stehe ich in einem grossen Haus. Und das hat viele Türen. Hinter denen jeweils große Kammern sein können. Aber die Türen sind z. Teil gar nicht sichtbar. Aber ich bin der Hausmeister.

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