Dienstag – panta rhei

Keine Angst, ich musste auch erst mal googeln, wie man das schreibt. Zum Glück gibt es Wikipedia, da findet man ja fast alles.

Lese gerade ein Buch über einen Marathonläufer. Er beschreibt das gegenseitige Erkennen von erfahrenen Läufern, wenn sie sich beim Laufen zufällig begegnen. Man nimmt sich wahr und lächelt, weil man versteht, dass der andere auch gerade auf dem Weg ist und seinen kleinen persönlichen Kampf durchführt, gegen den inneren Schweinehund, müde Muskeln und widrige Umstände.

So ähnlich geht es mir auf der Arbeit, wenn ich auf dem Gang bestimmten Kollegen über den Weg laufe. Ich lächle, weil ich weiß dass sie auch gerade irgendeine herausfordernde Aufgabe am Bein haben. Die Kollegen lächeln meist verstehend zurück. Wären wir im Dschungel würde jeder von uns sich mit seiner Machete den Weg durchs Unterholz Bahnen. Trifft man sich zufällig unterwegs grüßt man sich kurz und arbeitet sich dann weiter durchs Dickicht, immer weiter in der gleichen Richtung. Ab und zu kommt man an der gleichen Stelle raus von der man losgewirbelt ist. Dann eben wieder weiter, irgendwann wird man den richtigen Weg finden.

Mein Unterholz ist heute die nicht ganz korrekt laufende Synchronisation zwischen zwei Systemen. Gestern Abend noch datentechnisch etwas aufgeräumt ist die fehlerhafte Funktion ja noch existent. Dazu dann erst mal kurzfristig ne Telko mit dem Dienstleister, der das System konzipiert hat. Wenigstens eine Telko mit Pragmatikern – kein „erst mal bricht die Verbindung ab, oh wir müssen uns neu einwählen“, kein „ich seh nix in der Videokonferenz“, kein „Die Kollegen aus x schalten sich erst später zu“ etc. Einfach mal ‚um xx:xx Uhr ist eine Telko‘ und nahezu pünktlich läuft diese ohne dieses ganze „unsere Technik ist grade kaputt“-gehampel von irgendwelchen Teilnehmern.

Und dann auch produktiv vom Inhalt: das Problem wurde verstanden, die Lösung ( Programmänderung ) kurzfristig auf den Weg gebracht. Nach allem, was ich so kenne bin ich sehr misstrauisch, das lief schon zu glatt.

Ja, es lief glatt. Später am Tag hat mich dann ein ganz entfernter ‚Kollege‘ von ‚reparierenden Dienstleister‘ angerufen – er hatte mitbekommen, dass es einen „workaround“ zum Problem gibt und gemeint, dass man dann die Prio-Einstufung des Problems laut gültigen Regularien runter setzen müsste. Der workaround sieht vor, dass ich ( oder ein Kollege, den ich einweise ) abends um 11 nochmal ne Datenanalyse über die Schnittstelle mache und mit dem Ergebnis ein Bereinigungsprogramm starte. NEIN. Nicht so! Das geht so nicht! Wir arbeiten seit Wochen mit vielen Überstunden um den Laden am Laufen zu halten. Jetzt nicht auch noch Nachtarbeit außerhalb der Bereitschaft! Hat der entfernte Kollege Gott sei Dank auch sofort mitfühlend eingesehen. Nein, es gibt keinen workaround, die Prio bleibt hoch.

Kleine ‚Anekdote‘ dazu: via Teilprojektleiter hat mein direkter Chef per Mail Kenntnis von dem Thema bzw dem workaround bekommen. Seine Reaktion: er schreibt einen Kollegen und mich an, dass wir untereinander ausmachen sollten, wie bzw wer das dann macht. Ich glaube der Chef hat gar nicht mitbekommen, dass es um Arbeit um 23 Uhr geht.

Hab später am Tag auch mal erfahren, wie der Fehler im Programm der Schnittstelle eigentlich zustandegekommen ist ( gerüchteweise – bei der Ursache von softwarefehlern ist es wie mit Schwarzgeld: man redet nicht drüber. Wenn der Fehler groß genug ist, werden viele Kollegen mit einem Statement benachrichtigt. Aber die echte Ursache kennen doch wieder nur sehr wenige – wurde durch eine verbesserte Protokollierung die Datenübertragung eben etwas unterlaufen ).

Naja, gleichzeitig habe ich mitbekommen, dass auch andere Experten gerade mit deren persönlichen Dienstleistern „am kämpfen“ sind. Indices auf ner Datenbank nachziehen sag ich nur. Was soll da schon schiefgehen ? Na was ganz simples: die Struktur der Betroffenen Tabelle wurde nach Excel exportiert, dort wurden Spalten aus versehen vertauscht und die Exceldatei war aber die Grundlage für die Einrichtung der neuen Indexe. Dazu gabs dann ne Reparatur, die aber im Testsystem anders ( korrekt… ) reagiert hat als im Echtsystem. Und die Reparatur zur Reparatur hatte wieder die falschen Indexfelder im Bauch. Wozu wieder eine Reparatur benötigt wurde….

Gestern Abend wurden die tournusmässig wöchentlichen Anpassungen ins produktive System eingespielt. Mal kucken, was der Tag so bringt. Aber meistens fällt das ja erst 2 Tage später auf, wenn was kaputt geht. Oh Mist, ich mache Samstag nen Tag Bereitschaft ( mit nem Kollegen getauscht ). Hoffentlich läuft alles ….Reparaturen dauern ja in der Regel 2 Tage, da ist Samstag dann erster Tag, an dem die laufen würden. Aber es kann ja auch alles einfach mal gut gehen ….

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s